Making

Unter Making versteht man einen pädagogischen Ansatz, bei dem Schülerinnen und Schüler durch praktisches, kreatives und experimentelles Tun lernen. Im Zentrum steht das selbstständige Gestalten, Tüfteln und Produzieren mit analogen und digitalen Materialien – etwa durch Arbeiten mit Holz, Textilien, Elektronik, 3D-Druckern oder Programmierung von Robotern.

Dabei geht es nicht nur um das Endprodukt, sondern um den Lernprozess selbst: Kinder und Jugendliche sollen Ideen entwickeln, Probleme lösen, mit Fehlern umgehen und gemeinsam an Projekten arbeiten. Making fördert so kreatives Denken, Problemlösekompetenzen, technisches Verständnis und Selbstwirksamkeit.

Es muss nicht gleich ein Makerspace sein

Im gleichen Atemzug mit «Making» wird meist auch der «Makerspace» erwähnt, also der Raum, in dem Making stattfindet. Effektiv ist aber kein spezieller Raum notwendig und schon gar nicht teure digitale Geräte. Einen pragmatischen Einstieg in Maker-Education ermöglicht auch der Einsatz von Making-Boxen mit übersichtlich geordneten Werkzeugen (Scheren, Cutter, Tucker, …) und Materialien (Klebband, Karton, Dekomaterialien, …). Die Boxen können einfach in ein Klassenzimmer transportiert werden, um eine mobile Making-Umgebung einzurichten.

Making als Schulentwicklungsprozess

Oft geht die Initiative von einer technisch versierten Einzelperson aus, die die technische Infrastruktur anschafft. Idealerweise wird Making jedoch als agiler Schulentwicklungsprozess verstanden, der im Sinne von Shared Leadership auf mehrere Schultern abgestützt ist und eine breite Verankerung im Unterrichtsalltag anstrebt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten «MakerTeacher», die Lehrpersonen bei der Planung und Durchführung von Making-Projekten unterstützen und als Themenhüter die Weiterentwicklung sichtbar machen und vorantreiben.

Making stellt gewissermaßen die Verbindung des technologischen Wandels mit einem Wandel der Lernkultur dar. Erfahrungsgemäss ist die Entwicklung nachhaltiger, wenn der Lernkulturwandel und die damit verbundene Haltungsdiskussion vorausgehen.

In der Grafik von Beat Döbeli könnte Making im Quadranten oben rechts verortet werden. Der Prozess kann über eine technologische Erneuerung angestossen werden, der anschliessend ein Wandel der Lernkultur folgt. Nachhaltiger ist, wenn zuerst die pädagogische Grundlage geschaffen wird, bevor man sich überlegt, welche technologische Ausrüstung die Entwicklung in der Folge unterstützen könnte.

Einrichtung und Betrieb eines Makerspace

Bei der Einrichtung eines Makerspace ist eine sorgfältige Planung und ein schrittweises Vorgehen unerlässlich. Oft kann bestehendes Mobiliar weiter verwendet werden. Beim Mobiliar sind Robustheit und Flexibilität entscheidend. Der Raum soll rasch an verschiedene Settings angepasst werden können. Auch Werkzeuge sind oft bereits vorhanden oder können auch in Brockenhäusern gefunden werden. Auch bei den Verbrauchsmaterialien können beim Gewerbe oft Resten und Ausschussware bezogen werden, Für Karton, Plastikdeckel und Stoffresten kann auch ein Aufruf in der Belegschaft gemacht werden.

Bei allen besuchten Makerspaces fallen das durchdachte Ordnungssystem und die frei zugänglichen Verbrauchsmaterialien und Werkzeuge ins Auge. Wenn die Lernenden im Flow sind, kann es durchaus auch einmal etwas hektisch und chaotisch werden. Umso wichtiger ist ein gutes Orientierungssystem und klare Benutzungsregeln. Das kreative Chaos in Ehren, aber Unordnung und Reizüberflutung sind für den Schaffensprozess eher hinderlich.

Der Raum sollte für verschiedene Lernsituationen und Aktivitäten strukturiert sein. Oft werden Bereiche, in den Staub anfällt, abgesondert. Ebenso gibt es oft Bereiche für die Ideenfindung, eine Bühne für Produktpräsentationen oder Medienproduktionen sowie eine Technologieecke, in der die digitale Infrastruktur genutzt wird. Der Aufwand für die Wartung und den Betrieb eines Makerspace darf nicht unterschätzt werden: Die Verbrauchsmaterialien müssen geordnet und nachgefüllt werden, Geräte brauchen eine regelmässige Reinigung und Wartung, manchmal auch eine Reparatur.

Weiterführende Ressourcen

Beispiele

  • Grundacherschule

    Die Grundacherschule ist ein ehemaliges Wohnhaus direkt beim Bahnhof Sarnen, das sehr stimmig durch einen An- und Neubau erweitert wurde. Hier lernen ca. 60 Kinder und Jugendliche von der Kindergartenstufe bis zur 3. Oberstufe in einem lebendigen Miteinander. Neben der Lerngemeinschaft bilden die Berücksichtigung des Entwicklungsstandes und der Interessen der Kinder sowie die Future Skills das pädagogisches Fundament der Schule. Entsprechend zentral ist das projektorientierte, interessengeleitete Lernen, beispielsweise in der sogenannten Macherei.

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  • Makerspace Weinfelden

    Der Makerspace der Schule Weinfelden ist in einem Industriegebäude neben der Martin Haffter Schule untergebracht. Beim Betreten der grosszügigen Halle taucht man in eine kreative Welt ein, die zum Tüfteln, Experimentieren und Kreieren einlädt.

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  • Makerspace Wigoltingen

    Der Raum in Wigoltingen gehört zu den ersten schulischen Makerspaces der Schweiz. Er ist Teil der Werkräume der Sekundarschule wird aber vom Kindergarten bis zur Oberstufe genutzt. Angrenzend an den Makerspace stehen eine Holz- und eine Metallwerkstatt mit allen denkbaren Geräten und Werkzeugen zur Verfügung.

    Sehr beliebt ist das freiwillige Making am Mittwochnachmittag: Da können die Kinder ihre eigenen Ideen entwickeln und Projekte verwirklichen.

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  • Makerspace VSG Nollen

    Die Volksschulgemeinde Nollen hat ein ungenutztes Schulhaus in Buhwil in einen Makerspace verwandelt. Die Klassen aus den umliegenden Schulhäusern kommen regelmässig in diese Räumlichkeiten, um ihre eigenen Ideen und Projekte zu entwickeln. Die Klassen werden dabei von zwei MakerTeachern unterstützt.

    Die Räume sind auf unterschiedliche Aktivitäten ausgelegt: Von der Denkerecke, über das Filmstudio, den Maschinenraum und die Textilwerkstatt bis zur (Turn-)Halle, in der die Prototypen getestet und präsentiert werden.

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  • PHZH collab

    Das Collaborative Learning Lab (collab) am Zweitstandort in Oerlikon dient der PH Zürich als Pilotierungsraum. Es sollen darin Erkenntnisse über die Weiterentwicklung der Lehre und die damit verbundene zukünftige Ausgestaltung der Hochschulräume gewonnen werden. Die fünf Experimentierräume mit einer Fläche von 400 m2 stehen allen Mitarbeitenden der PH Zürich zur Verfügung. 

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  • Intrinsic, Zürich

    Intrinsic liegt im Maag Areal in einem im alten Industriegebäude. Man steigt eine dunkle Wendeltreppe hoch, es riecht immer noch nach Maschinenöl und im zweiten Stock öffnet sich eine lichtdurchflutete kreative Welt: Ein Makerspace du diverse Co-Workingräume reihen sich den beiden Gängen entlang. Sie werden in erster Linie von Intrinsic selber genutzt, können aber auch gemietet werden.

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  • Maison des jeunes, Jedaida

    Betritt man das Jugendenzentrum Jedaida, einem Vorort von Tunis, so wird man von einer fröhlich-kreativen Startup-Atmosphäre empfangen. Jugendliche haben hier die Möglichkeit, in Clubs unterschiedlichsten Making-Aktivitäten nachzugehen, Sport zu treiben oder einfach zusammen Zeit zu verbringen.

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  • OYMC Makerslab

    Das OYM College in Cham suchte eine Möglichkeit, den fachlichen Unterricht grundlegend neu zu gestalten. Das projektorientierte, interessengeleitete, kompetenzorientierte und kollaborative Lernen sollte im Zentrum stehen. In einem halben Stockwerk eines neuen Gebäudes hatte die Schule die Gelegenheit, Räume einzurichten, welche ihrer Vision des Lernens entsprechen: Das OYMC MakersLab.

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  • Makerspace PHTG

    Wenn man aus der nüchternen Halle der PH Thurgau in den Makerspace eintritt, so eröffnet sich eine inspirierende Welt der Kreativität für Macher:innen. Digitale und analoge Produktionsmöglichkeiten laden zum Tüfteln und Experimentieren ein. Gleichzeitig ist der Makerspace ein Begegnungsort, an dem Gruppen gemeinsam Ideen entwickeln und Projekte verwirklichen können. Die PHTG bietet mit diesem Raum einen überaus motivierenden Einblick in die Maker Education, der in die Praxis ausstrahlt und gleichzeitig die Erfahrungen aus den begleiteten Schulen aufnimmt.

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  • Maitlisek Gossau

    Die Maitlisek in Gossau (SG) ist ein schönes Beispiel, wie ein innovatives pädagogisches Profil mit einem spannenden Raumkonzept verknüpft wird. Die Gestaltung von guten Lernräumen ist an dieser Schule ein zentraler Aspekt für die Unterrichtsentwicklung. Eine Jahrgangsgruppe (ca. 40 Schülerinnen) lernt in der sogenannten Impulswelt. Im grosszügigen Lernatelier wird individuell gearbeitet.

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