Im Zyklus 1 (Kindergarten bis 2. Klasse) steht das handlungsorientierte, entdeckende und spielerische Lernen im Zentrum. Entsprechend vielfältig und einladend müssen Lernräume gestaltet sein.
8-Schritt-Modell

Das 8-Schritt-Modell umfasst 8 wesentliche Faktoren für die Gestaltung von Lernprozessen für Kinder von 4–8 Jahren. Der erste Schritt fokussiert dabei auf die Gestaltung von Lernräumen. In den folgenden Abschnitten werden einige Aspekte erläutert und illustriert.
Bewegung
Die Lernräume müssen dem Bewegungsdrang dieser Altersgruppe Rechnung tragen. Die Kinder brauche vielfältige Möglichkeiten zwischen verschiedenen Lernbereichen zu bewegen sowie Sitz-, Steh-, Liege- oder Bewegungsposition wechseln, damit verschiedene Sinne angesprochen werden und sich kein stereotypes Setting fürs Lernen festigt (z.B. «beim bewussten Lernen muss man sitzen»). Der Raum soll zudem zu unterschiedlichen Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Kindern einladen.

Rückzugsorte
Über längere Zeit in einer lebendigen Gruppe zu sein ist für viele Kinder sehr herausfordernd. Deshalb sind Rückzugsorte enorm wichtig. Das können Nischen sein, wo man für sich allein sein kann oder ruhige und reizarme Räume, in denen einzelne Kinder und Kleingruppen konzentriert einer ruhigen Beschäftigung nachgehen können. Ein typisches Beispiel für einen Regenerationsort ist die Lernwabe. Oft kann man auch mit pragmatischen Mitteln solche Nischen schaffen, beispielsweise indem man eine Tastentür eines Wandschranks entfernt und stattdessen einen Vorhang einzieht.


Multifunktionalität
Die Einrichtung soll multifunktional einsetzbar sein und den entwicklungs- und kompetenzorientierten sowie fächerübergreifenden Unterricht unterstützen.
Das Mobiliar sollte auf die Interessen der Kinder ausgerichtet sein, Neugier wecken und einladen zum Explorieren und Experimentieren. Optimal sind bewegliche, leichte und doch robuste Elemente mit denen sich der Raum (um-)gestalten lässt und eine möglichst vielfältige Nutzung ermöglicht.
Die Spiel- und Lernmaterialien sollte frei zugänglich sein. Damit die Kinder selbständig Materialien holen und später auch wieder versorgen können, ist ein einfaches Ordnungssystem wichtig.


Helligkeit, Offenheit und Akustik
Die Räume sollten hell freundlich gestaltet sein. Bei bestehenden Räumen kann die Lichtsituation mit zusätzlichen Lichtquellen und einer anderen Farbgestaltung optimiert werden. Natürliche Materialien (Holz, Filz, Stoff, …) tragen ebenfalls zu einer angenehmen Lernatmosphäre bei.
Der Raum sollte möglichst keine eine fixen Einrichtungen haben, welche die Bewegung im Raum einschränken.
Lärm kann das Wohlbefinden beim Lernen und Spielen beeinträchtigen. Durch eine klare Zonierung in ruhige und bewegte Bereiche sowie durch schalldämpfende Materialien können Räume akustisch optimiert werden.

Aussenräume
Der Aussenraum ist idealerweise geprägt von grosse Freiflächen, auf denen die Kinder herumrennen, spielen und bauen können. Wichtig sind auch kleinteiligere Strukturen und Nischen, die Geborgenheit und Ruhe bieten. Statt zweckspezifischen Anlagen eignen sich Einrichtungen und Materialen besser, die zum Gestalten, Bewegen, Verstecken und Entdecken einladen.
Zum Aussenraum gehört jedoch nicht nur die unmittelbare Umgebung des Kindergartens oder des Schulhauses. Genauso ist das Quartier oder die Natur Teil der Lernumgebung.
Partizipative Raumgestaltung
Idealerweise können die Kinder den Raum aktiv mitgestalten. Mit Tüchern, Seilen, Kisten usw. verwandeln sie den Kindergarten oder das Klassenzimmer immer wieder neu – in eine Höhle, ein Schiff oder einen Bewegungsparcours. Durch dieses Mitgestalten erleben die Kinder den Raum nicht als fix vorgegeben, sondern als veränderbar und sinnhaft. Sie bringen eigene Ideen ein, verhandeln gemeinsam, probieren aus und übernehmen Verantwortung. So wird der Raum zum pädagogischen Mitspieler, der Selbstwirksamkeit, Kreativität und soziales Lernen im Unterrichtsalltag stärkt.
Auch bei einem Neu- oder Umbau können die Kinder wertvolle Impulse für ihre künftige Lernumgebung liefern. Hierzu sind unter Lernräume entwickeln weitere Informationen zu finden
Weiterführende Ressourcen
- 8-Schritt-Modell
Kompakte Webplattform mit vielen konkreten Beispielen und anschaulichen Videos - Spielen plus
Spielen ist der ideale Lernmodus im Zyklus 1. In diesem Buch wird u.a. auch fundiert und konkret thematisiert, wie Spielumgebungen für Kinder gestaltet werden können.
Beispiele
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Obfelden

Drei Kindergartenklassen lernen und spielen in diesem Kindergarten in Obfelden unter einem Dach. Das 2017 fertiggestellte Gebäude ist ein gelungenes Beispiel für den Einfluss des Lernraums auf die pädagogische Arbeit und umgekehrt, wie Architektur pädagogische Anliegen aufnehmen und umsetzen kann. Im folgenden Rundgang werden über viele Hotspots Bezüge zum 8-Schritt-Modell für die Elementarbildung hergestellt.
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St. Johann, Basel

Das Schulhaus St. Johann in Basel ist ein schönes Beispiel, wie Lernräume auch in einer bestehenden Gebäudestruktur an die Anforderungen der Zeit angepasst werden können. Im Zuge einer umfangreichen Renovation des altehrwürdigen Schulhauses wurde die Nutzung der Korridore unter Einbezug der Kinder neu gedacht.
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Stadtschulen Zug

Die Schule Herti ist mit rund 450 Schülerinnen und Schüler die grösste Schuleinheit der Stadtschulen Zug. Damit alle Schülerinnen und Schüler Platz finden, besteht die Schule Herti aus zahlreichen Gebäuden. Der Rundgang führt ausserdem zum Schulhaus Letzi. Die dort erbauten Lernräume entsprechen genau dem Puls der Zeit, obwohl sie bereits in den 60er Jahren erbaut wurden. Das Lernen im Spiel hat in den Stadtschulen Zug eine sehr grosse Bedeutung, was sich auch in den Räumlichkeiten widerspiegelt.
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Grundacherschule

Die Grundacherschule ist ein ehemaliges Wohnhaus direkt beim Bahnhof Sarnen, das sehr stimmig durch einen An- und Neubau erweitert wurde. Hier lernen ca. 60 Kinder und Jugendliche von der Kindergartenstufe bis zur 3. Oberstufe in einem lebendigen Miteinander. Neben der Lerngemeinschaft bilden die Berücksichtigung des Entwicklungsstandes und der Interessen der Kinder sowie die Future Skills das pädagogisches Fundament der Schule. Entsprechend zentral ist das projektorientierte, interessengeleitete Lernen, beispielsweise in der sogenannten Macherei.
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Ganztagesschule Ländli, Baden

Das Schulhaus Ländli ist ein altehrwürdiger Bau, der sechs Klassen beherbergt. In der ersten Ganztagesschule des Kantons Aargau hat jede Stufe hat ein Stockwerk mit zwei Klassenzimmern und einem Betreuungsraum für sich.
Im Frühling 2026 wird das Schulhaus renoviert.
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Makerspace Weinfelden

Der Makerspace der Schule Weinfelden ist in einem Industriegebäude neben der Martin Haffter Schule untergebracht. Beim Betreten der grosszügigen Halle taucht man in eine kreative Welt ein, die zum Tüfteln, Experimentieren und Kreieren einlädt.
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Makerspace Wigoltingen

Der Raum in Wigoltingen gehört zu den ersten schulischen Makerspaces der Schweiz. Er ist Teil der Werkräume der Sekundarschule wird aber vom Kindergarten bis zur Oberstufe genutzt. Angrenzend an den Makerspace stehen eine Holz- und eine Metallwerkstatt mit allen denkbaren Geräten und Werkzeugen zur Verfügung.
Sehr beliebt ist das freiwillige Making am Mittwochnachmittag: Da können die Kinder ihre eigenen Ideen entwickeln und Projekte verwirklichen.
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Makerspace VSG Nollen

Die Volksschulgemeinde Nollen hat ein ungenutztes Schulhaus in Buhwil in einen Makerspace verwandelt. Die Klassen aus den umliegenden Schulhäusern kommen regelmässig in diese Räumlichkeiten, um ihre eigenen Ideen und Projekte zu entwickeln. Die Klassen werden dabei von zwei MakerTeachern unterstützt.
Die Räume sind auf unterschiedliche Aktivitäten ausgelegt: Von der Denkerecke, über das Filmstudio, den Maschinenraum und die Textilwerkstatt bis zur (Turn-)Halle, in der die Prototypen getestet und präsentiert werden.
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Pausenhalle im HAFEN – Elisabeth Lange Schule

An der Elisabeth Lange Schule im Hamburger Stadtteil Eißendorf steht den über 900 Schüler:innen eine grossartige Pausenhalle zur Verfügung. Hier kann man ausruhen, herumtollen, plaudern, essen, lernen und Aufführungen geniessen.
Der Raum wurde von der dänischen Architektin Rosan Bosch und ihrem Team entworfen und ist Teil des HAFENS. Das Akronym steht für Halten – Ankommen (und Aufrichten) – Fördern (und Fordern) – Entspannen – Neu ausrichten. Der Hafen ist ein wesentliches Element der Lernkultur der Elisabeth Lange Schule.
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Naturschule Allmend

Die Naturschule Allmend liegt in der Brunau, einem Hotspot der Biodiversität der Stadt Zürich: Hochstammobstgarten, Wiesen, Bäche, Tümpel, Sihl. Die Schwerpunkte der Angebote sind Erforschen, Experimentieren, Erkennen von Zusammenhängen, selbstständiges Handeln und Gestalten.